Kunst ohne Strom 2018: Alles im Fluss und die Loreley singt dabei

General-Anzeiger Bonn, 27. August 2028

Lyrischer Wettstreit mit viel Humor
Bürgerverein und Brotfabrik begeistern Zuschauer mit „Kunst ohne Strom im Weinberg Finkenberg“
Von RAINER SCHMIDT

LIMPERICH. So einfach kann Unterhaltung sein: Man nehme einen schönen Ort, gute, vor allem gut aufgelegte Künstler, keinen Eintritt, verzichte auf jeglichen Strom, und schon hat man alle Voraussetzungen für einen wunderschönen Nachmittag oder frühen Abend. Und wenn dann noch das Wetter mitspielt, dann hat man auch sehr viele Zuschauer und Zuhörer. All das traf auf die Veranstaltung des Bürgervereins Limperich am Freitag zu, als dieser zur fünften Auflage von „Kunst ohne Strom im Weinberg Finkenberg“ eingeladen hatte, zu einem besonderen Kulturprogramm mit der Brotfabrik Beuel. Zu Gast waren die Schauspielerin Petra Kalkutschke, die Sängerin Sylvia Dörnemann und der Multi-Instrumentalist Matthias Höhn, alle in Bonn beheimatet.

Die Künstler hatten köstliche Texte und Lieder für dieses Programm ausgesucht, die sich dem Thema „Alles im Fluss, und die Loreley singt dabei“ unterordneten. Und da man schon mal im Weinberg war, spielte der Wein natürlich keine untergeordnete Rolle. Einerseits spielte sich in den Texten ein kleiner, lyrischer Wettstreit zwischen Rhein- und Mosel-Wein ab, andererseits konnte original „Finkenberger“ verköstigt werden. Die Loreley wurde zu Beginn in unterschiedlichsten Formen präsentiert, und Sylvia Dörnemann kämmte dazu ihr gar nicht „güldenes“ Haar. Doch am Ende des ersten Blocks sangen alle Besucher den berühmten Refrain „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ mit. Ob Heine, Eichendorff, Goethe, Kästner oder Valentin – sie wurden alle rezitiert. Im Text über Vater Rhein und Jungfrau Mosel von Julius Wolf, in dem sich beide streiten, wer den besseren Wein habe, kamen Kalkutschke und Höhn zu dem salomonischen Urteil, dass der Finkenbergwein der heimliche Sieger sei. Mit Marc Twain machten die Künstler sogar eine Floßfahrt auf dem ‚ach so stürmischen‘ Neckar. Einfach herrlich, wie die Schauspieler ihr komödiantisches Talent präsentierten.

„Ich schätze“, meinte Karl Wengenroth, der Vorsitzende des Bürgervereins Limperich, „dass gut 150 Personen hier sind“. Mit der Aussage, dass auf dem Finkenberg die Akustik besser sei als im WCCB, hat er sicher ein wenig übertrieben. Aber nur ein wenig, denn die Akustik war bis in die letzte Reihe ausgezeichnet.

Mit einer anderen Aussage hatte er vermutlich recht: „Sehr schön, dass so viele Besucher zum ersten Mal hier oben sind und entdecken, was wir so alles haben.“ Jürgen Becker von der Bühne der Brotfabrik, der ebenfalls von der großen Zuschauerzahl positiv überrascht war, schob dies auf das „niederschwellige Angebot bei Kunst ohne Strom“.

Das Publikum war mehr als zufrieden. „Es war wunderbar“, sagte das Ehepaar Gundelach aus Godesberg. Und Ursula B. aus Vilich meinte: „Es war super. Mit einfachen Mitteln wurde größtmögliche Wirkung erzielt.“ Becker und Wengenroth sagten am Ende zu, dass es auch im nächsten Jahr wieder „Kunst ohne Strom im Weinberg Finkenberg“ geben werde.

Fotos: Markus Krolla